Im November 2025 habe ich hinter dem Kleiderschrank im Schlafzimmer einen schwarzen Fleck gefunden. Etwa so groß wie meine Hand, genau in der Außenecke. Unsere Wohnung liegt in einem Altbau von 1908: 62 m², Holzfenster, 3,20 m Deckenhöhe. Morgens lief das Wasser an den Scheiben herunter. Ich war überzeugt, wir lüften einfach zu wenig.
Also habe ich gemessen. Zwei Wochen ohne Gerät: morgens im Schnitt 71 % relative Luftfeuchte im Schlafzimmer. Mit konsequentem Stoßlüften: 66 %. Erst ein Kompressor-Luftentfeuchter brachte den Raum dauerhaft auf 55 %. Von Dezember bis Mitte März hat er knapp 188 Liter Wasser gesammelt und mich bei meinem Tarif 47,26 € Strom gekostet. Und ich habe gelernt, dass die Literzahl auf dem Karton fast nichts darüber sagt, was du wirklich brauchst.
Weil warme, feuchte Raumluft an kalten Wänden abkühlt und dort Wasser abgibt. Das Umweltbundesamt schreibt in seinem Ratgeber „Schimmel im Haus“, dass Baufehler wie Wärmebrücken in Neu- und Altbauten zur Kondensation führen. Die Ursache für Schimmel sei immer erhöhte Feuchte. Als Richtwert nennt das UBA: Die Raumluft sollte auf Dauer 65 bis 70 % nicht überschreiten, im Winter eher weniger. Direkt an der Wand sollten es nicht mehr als 80 % sein.
Stiftung Warentest nennt 40 bis 60 % als Idealbereich. Die Verbraucherzentrale Hamburg wird für den Winter noch strenger: 30 bis 45 % sollten nicht überschritten werden, und das Schlafzimmer sollte etwa 18 °C haben, kein Raum unter 16 °C. Unser Schlafzimmer hatte 17 °C, also ein Grad weniger als der Wert der Verbraucherzentrale. Die Außenecke war der kälteste Punkt der Wohnung. Ein Thermo-Hygrometer für 12,99 €, direkt an die Wand gehalten, zeigte dort über 80 %.
Bei mir hat es geholfen, aber nicht gereicht. Das UBA empfiehlt mehrmals täglich kurzes Stoßlüften, 5 bis 10 Minuten bei weit geöffnetem Fenster. Im Winter funktioniert das besonders gut, weil kalte Außenluft wenig Wasser enthält. Ich habe zwei Wochen lang dreimal am Tag gelüftet: morgens, nach dem Duschen, vor dem Schlafen.
Direkt nach dem Lüften fiel der Wert auf rund 55 %. Zwei Stunden später war er wieder bei 65 %. Tagsüber sind meine Partnerin und ich bei der Arbeit, da lüftet niemand. Nachts atmen zwei Menschen in einem 14-m²-Raum. Der Morgenwert lag am Ende bei 66 %. Besser als 71 %, aber für eine kalte Außenecke zu viel.
Weniger, als der Karton verspricht, aber mehr, als die Quadratmeter vermuten lassen. Die Entfeuchtungsleistung steht in Litern pro 24 Stunden auf dem Gerät. Wichtig ist, bei welchen Bedingungen sie gemessen wurde. Eine Studie der ZHAW im Auftrag von EnergieSchweiz (Juni 2026) hat Herstellerangaben ausgewertet: 85 % der Geräte gaben ihre Leistung bei 30 °C und 80 % Luftfeuchte an. Die Norm EN 810 kennt auch einen Prüfpunkt bei 27 °C und 60 %. Beides hat mit einem Schlafzimmer im Januar wenig zu tun.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt dieselbe Studie: Bei den Geräten, deren Hersteller beide Werte angeben, lag die Leistung bei 20 °C/60 % im Schnitt 41 % unter der bei 30 °C/80 %. Ein Gerät mit 20 Litern auf dem Karton schafft bei 20 °C also rechnerisch nur rund 11,8 Liter. Bei einzelnen Geräten kann das abweichen, die Studie betont, dass man die Werte nicht einfach umrechnen kann.
Die Literzahl auf dem Karton gilt meist bei 30 °C und 80 % Luftfeuchte. So sieht kein Schlafzimmer im Januar aus.
Dazu kommt der Altbau. Stiftung Warentest rät, das Raumvolumen zu berechnen, weil manche Hersteller nur die Fläche angeben. Mein Schlafzimmer hat 14 m², bei 3,20 m Deckenhöhe sind das 44,8 m³. Ein Neubauzimmer mit 2,50 m und gleicher Fläche hat 35 m³. Meine Faustregel nach diesem Winter, keine Norm:
| Raum (bis 2,60 m Deckenhöhe) | Nennleistung bei 30 °C/80 % | Rechnerisch bei 20 °C/60 % |
|---|---|---|
| bis 15 m² | 10 bis 12 l | ca. 5,9 bis 7,1 l |
| 15 bis 30 m² | 12 bis 16 l | ca. 7,1 bis 9,4 l |
| 30 bis 50 m² | 16 bis 20 l | ca. 9,4 bis 11,8 l |
| Altbau ab 3 m Deckenhöhe | eine Stufe höher | eine Stufe höher |
| Mein Schlafzimmer: 14 m², 44,8 m³ | 20 l (gekauft) | ca. 11,8 l |
Die rechte Spalte ist der Wert minus 41 %, also ein Durchschnitt aus der Studie. Ein Test für den Alltag kommt von Stiftung Warentest: Nach etwa einem Tag sollte der Tank voll sein. Ist er viel früher voll, ist das Gerät zu klein. Bei mir kamen im Winter im Schnitt nur 1,9 Liter am Tag, weil der Hygrostat das Gerät bei 55 % abschaltet.

Die Zahl auf dem Karton ist ein Laborwert. Im beheizten Altbau-Schlafzimmer zählt, was das Gerät bei 18 °C schafft.
In einer beheizten Wohnung ist es fast immer der Kompressor. Laut Stiftung Warentest arbeiten Kompressorgeräte am besten ab etwa 10 °C. Adsorptionstrockner arbeiten weitgehend unabhängig von der Temperatur, brauchen aber meist mehr Strom. Sie sind die bessere Wahl für Keller, Garage oder ein unbeheiztes Gartenhaus. Die ZHAW-Studie bestätigt das: Unter 10 °C arbeiten Kondensationsgeräte nicht mehr zuverlässig, darüber arbeiten sie effizienter als Adsorptionsgeräte.

Für ein beheiztes Schlafzimmer mit 17 bis 18 °C war die Sache klar: Kompressor.
Was sonst zählt, und was nicht:
Ich habe Ende November 2025 einen Kompressor-Luftentfeuchter mit 20 Litern Nennleistung bei 30 °C/80 % für 219,00 € online bestellt. Vor dem Bezahlen habe ich bei rabattdigga.de nach einem Code geschaut, diesmal ohne Treffer. Wer gerade sucht: Trotec hat sowohl Kompressor- als auch Adsorptionsgeräte im Sortiment, und in der Kategorie Zuhause findest du weitere Shops für Raumklima.
Er hat das Schlafzimmer dauerhaft auf 54 bis 56 % gebracht, für rund 15 € Strom im Monat. Gemessen habe ich mit einem Strommessgerät für die Steckdose für 14,99 €. Im Betrieb zog das Gerät bei 18 °C rund 240 Watt. Gerechnet habe ich mit meinem Arbeitspreis von 0,34 € pro kWh.
⚠ Mein Fehler: Hygrostat zu niedrig
In der ersten Woche (1. bis 7. Dezember) stand der Hygrostat auf 45 %. Das Gerät lief fast 13 Stunden am Tag, verbrauchte 21,7 kWh (7,38 €) und kam trotzdem nur auf 50 %. Die ZHAW-Studie beschreibt genau das: Je tiefer der Sollwert, desto stärker steigt der Stromverbrauch, weit überproportional. Seit dem 8. Dezember steht er auf 55 %.
| Zeitraum | Tage | Luftfeuchte morgens | Wasser | pro Tag | Strom | Kosten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 8. bis 31. Dez. 2025 | 24 | 56 % | 52,8 l | 2,2 l | 38,5 kWh | 13,09 € |
| Januar 2026 | 31 | 54 % | 65,1 l | 2,1 l | 46,5 kWh | 15,81 € |
| Februar 2026 | 28 | 54 % | 50,4 l | 1,8 l | 39,0 kWh | 13,26 € |
| 1. bis 15. März 2026 | 15 | 55 % | 19,5 l | 1,3 l | 15,0 kWh | 5,10 € |
| Gesamt | 98 | Ø 55 % | 187,8 l | Ø 1,9 l | 139,0 kWh | 47,26 € |
Zum Vergleich: Vorher lag der Morgenwert bei 71 %, mit Lüften bei 66 %. Die Scheiben sind seit Mitte Dezember morgens trocken. Rechne ich die erste Woche dazu, kostete der ganze Winter 54,64 € Strom. Mein Tank war nie in weniger als einem Tag voll. Für meinen Raum hätte also auch eine Stufe kleiner gereicht, aber bei 3,20 m Decke wollte ich Reserve.

Mein Winter in Zahlen. Im Januar kam am meisten Wasser, ab März wurde es deutlich weniger.
Melde den Schimmel schriftlich, bevor du selbst etwas unternimmst. Ich bin kein Jurist, das hier ist keine Rechtsberatung, nur was die Quellen sagen. Laut UBA gilt Schimmel in einer Mietwohnung als Mietmangel. Nach § 536c BGB muss der Mieter einen Mangel unverzüglich anzeigen. Wer das versäumt, kann unter Umständen später keine Minderung verlangen.
Nach § 536 BGB zahlt der Mieter für die Zeit, in der ein Mangel die Tauglichkeit der Wohnung mindert, nur eine angemessen herabgesetzte Miete. Die Verbraucherzentrale Hamburg betont: Das Recht auf Minderung entsteht erst nach der Mängelanzeige, und nur wenn sie berechtigt ist. Ob der Schimmel vom Gebäude kommt, etwa einer Wärmebrücke, oder vom Heizen und Lüften, ist oft der Streitpunkt. Das UBA rät, sich früh rechtlich beraten zu lassen, zum Beispiel beim Mieterverein.
Ich habe der Hausverwaltung am 10. November 2025 geschrieben, mit Fotos und meinen Messwerten. Im Februar war ein Gutachter da und hat die Außenecke gemessen. Ob gedämmt wird, ist noch offen. Und genau das ist der Punkt: Laut Stiftung Warentest entfernt ein Luftentfeuchter Feuchtigkeit, aber nicht ihre Quelle. Er ist ein Werkzeug, keine Reparatur.

Sechs Punkte, die ich vor dem nächsten Kauf wieder genau so prüfen würde.
Mein Fazit: Für ein beheiztes Altbau-Schlafzimmer bis 15 m² reicht ein Kompressor-Luftentfeuchter mit 12 bis 20 Litern Nennleistung bei 30 °C/80 %. Stell den Hygrostat auf 55 %, nicht tiefer. Bei mir hieß das: 71 % auf 55 %, 1,9 Liter am Tag, 47,26 € Strom in 98 Tagen. Lüften und die Mängelanzeige ersetzt er nicht. Wenn du dein Gerät jetzt zu Beginn der Heizperiode bestellst, lohnt vorher ein Blick in die Kategorie Elektronik.
Stiftung Warentest nennt 40 bis 60 % als Idealbereich, die Verbraucherzentrale Hamburg für den Winter sogar 30 bis 45 %. Ich halte mein Schlafzimmer bei 55 %, seitdem bleiben Scheiben und Ecke trocken.
Das hängt vom Hygrostat ab. Mein Gerät brauchte im Januar 46,5 kWh, bei 0,34 € pro kWh also 15,81 €. Mit dem Sollwert 45 % war der Verbrauch pro Tag doppelt so hoch.
Ja, bei mir lief er im Nachtmodus durch. Er klingt wie ein Kühlschrank, der anspringt. Wer empfindlich ist, stellt ihn an die offene Tür oder lässt ihn tagsüber laufen.
Er senkt die Feuchte und nimmt dem Schimmel so die Grundlage. Die Ursache, etwa eine kalte Außenecke, behebt er nicht. In einer Mietwohnung gehört der Schimmel deshalb immer schriftlich zur Hausverwaltung.




