Ende September ging eine Zahl durch die Nachrichten: 560 Millionen Retourenpakete erwartet die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg für 2026. So viele wie nie. Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt: Das sind die anderen. Ich bestelle doch überlegt, ich bin keine, die fünf Kleider bestellt und vier zurückschickt.
Dann habe ich mein E-Mail-Postfach durchsucht. Von Oktober 2025 bis September 2026 kam ich auf 41 Onlinebestellungen und 11 Retourenpakete mit 17 Artikeln. Warenwert, der zeitweise hin und her unterwegs war: 637,52 €. Dazu 9 Wege zum Paketshop und 7,90 € Rücksendekosten. Was das die Händler, die Umwelt und am Ende uns alle kostet, habe ich danach nachgerechnet.
Ja, nach der aktuellen Schätzung schon. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg rechnet für 2026 mit rund 560 Millionen Retourenpaketen bei etwa 2,3 Milliarden verschickten Paketen im Onlinehandel. Schon 2025 lag die Zahl mit rund 542 Millionen auf einem Rekordwert, der den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2021 ablöste. Nahezu jedes vierte Paket, genau 24,2 %, geht zurück.
Zur Einordnung: 560 Millionen ist eine Schätzung für das laufende Jahr, keine Endabrechnung. Und es geht vor allem um Mode. Laut Retourenforscher Björn Asdecker, auf den sich die dpa Ende September berief, entfallen über 80 % der Retourenpakete und rund 90 % der zurückgeschickten Artikel auf diesen Bereich.
Warum schicken wir so viel zurück? Im KPMG Consumer Snapshot, für den gemeinsam mit dem EHI im Dezember 2025 500 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt wurden, nennen Onlinekäufer am häufigsten Qualitätsmängel (73,8 %), die falsche Größe (72,6 %), Beschädigungen (71,2 %) und ungenaue Beschreibungen oder Abweichungen von den Produktbildern (60,4 %). 46,2 % geben eine bewusste Doppelbestellung an, also zum Beispiel dasselbe Teil in zwei Größen oder Farben. Mehrfachnennungen waren möglich.

Fast jeder Zweite bestellt bewusst doppelt. Ich auch, wie sich später herausstellte.
Rückwirkend, mit meinem E-Mail-Postfach, den Kontoauszügen und den Fotos der Einlieferungsbelege, die ich zum Glück fast immer gemacht hatte. Das ist der Test einer einzelnen Person, keine Studie. Aber er zeigt, wie sich die großen Zahlen im Alltag anfühlen. So bin ich vorgegangen:
| Grund | Pakete | Artikel | Warenwert | Wege zum Paketshop |
|---|---|---|---|---|
| Falsche Größe | 5 | 7 | 312,85 € | 4 |
| Bewusst zwei Größen bestellt | 3 | 6 | 189,70 € | 2 |
| Sieht anders aus als auf dem Foto | 2 | 3 | 94,98 € | 2 |
| Beschädigt angekommen | 1 | 1 | 39,99 € | 1 |
| Summe | 11 | 17 | 637,52 € | 9 |
Die 637,52 € sind kein Verlust. Ich habe jeden Euro zurückbekommen, bis auf 7,90 € für zwei Rücksendungen, bei denen der Shop vorher klar auf die Kosten hingewiesen hatte. Aber das Geld war geparkt. Im Schnitt kam die Gutschrift 8 Tage nach der Abgabe, einmal dauerte es 16 Tage, weil das Paket im Lager lag. Bei den vier Bestellungen auf Rechnung war gar nichts gebunden: Ich habe einfach nur den Rest überwiesen.

Meine Bilanz von Oktober 2025 bis September 2026. Eine Person, kein repräsentativer Wert.
Dass die meisten meiner Retouren mit der Größe zu tun hatten, und dass ein Teil davon schon beim Bestellen feststand. Fünf Pakete gingen wegen der falschen Größe zurück, drei weitere, weil ich bewusst zwei Größen bestellt hatte. Das sind 8 von 11. Die Umfrage habe ich anfangs belächelt, am Ende sah meine Liste ihr ziemlich ähnlich.
Nur ein einziges Paket war ein echter Mangel: ein Pullover mit aufgerissener Naht. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis. Die Retoure wegen eines echten Mangels war bei mir die Ausnahme. Der Großteil war Bequemlichkeit, zu wenig Messen und die Hoffnung, dass „M diesmal schon passt“.
Auch die Zeit hat mich überrascht. Für die 9 Wege zum Paketshop habe ich jeweils etwa 25 Minuten gebraucht, mit Schlange an der Kasse. Das sind rund 3 Stunden 45 Minuten im Jahr, nur fürs Zurückschicken. Zweimal habe ich zwei Pakete auf einmal abgegeben, deshalb sind es 9 Wege und nicht 11. Mit einer Packstation in der Nähe wäre es schneller gegangen, aber die nächste ist bei mir am anderen Ende des Viertels.
8 von 11 meiner Retouren hatten mit der Größe zu tun. Nur eine einzige war ein echter Mangel.
Für den Shop ist keine Retoure kostenlos, und laut dpa legen viele Händler die Kosten kostenloser Rücksendungen auf die Artikelpreise um. Wir zahlen sie also mit, auch wenn wir selbst nie etwas zurückschicken. Die Zahlen, die ich gefunden habe:
Dann habe ich mit diesen Werten gerechnet, als grober Überschlag und nicht als Studie. Meine 17 Artikel haben die Shops mit 2,85 € pro Stück rund 48,45 € an Transport und Bearbeitung gekostet, dazu kommen etwa 25,5 kg CO2-Äquivalente. Für ganz Deutschland: 560 Millionen Pakete mal etwa 2,5 Artikel pro Retourenpaket, wie der Bamberger Bericht annimmt, ergeben rund 1,4 Milliarden Artikel. Mal 2,85 € sind das rund 4 Milliarden Euro, nur für Versand und Bearbeitung, ohne Wertverlust. Weil der Kostenwert von 2021 stammt, dürfte die echte Summe heute eher höher liegen.

Ein grober Überschlag mit dem Kostenwert von 2021. Die echten Kosten dürften heute eher höher liegen.
Fair finde ich sie, wenn etwas kaputt, falsch geliefert oder anders als beschrieben ist. Teuer für alle wird es, wenn die Retoure schon beim Bestellen eingeplant ist. Rechtlich ist die Lage klar: Bei Onlinekäufen hast du 14 Tage Widerrufsrecht (§ 355 Abs. 2 BGB), und bei Waren beginnt die Frist grundsätzlich, wenn du sie erhalten hast (§ 356 Abs. 2 BGB). Die Kosten der Rücksendung trägst du nach § 357 Abs. 5 BGB nur, wenn der Händler dich vorher darüber informiert hat. Eine kostenlose Retoure ist also ein freiwilliger Service des Shops, keine gesetzliche Pflicht.
Für mich hat sich daraus eine einfache Einteilung ergeben:
Und was passiert mit der Ware? Nach § 23 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gilt für Händler eine Obhutspflicht: Sie müssen dafür sorgen, dass vertriebene Erzeugnisse gebrauchstauglich bleiben und nicht zu Abfall werden, ausdrücklich auch bei Rücknahme oder Rückgabe. Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen nach der EU-Ökodesign-Verordnung unverkaufte Kleidung, Schuhe und bestimmte Accessoires nicht mehr vernichten. Das Bundesumweltministerium schreibt ausdrücklich, dass das auch Produkte aus Retouren betrifft. Mittlere Unternehmen folgen ab dem 19. Juli 2030, Kleinst- und Kleinunternehmen sind ausgenommen.
⚠ Beleg aufheben, bis das Geld da ist
Der Händler darf die Erstattung verweigern, bis er die Ware zurückerhalten hat oder du nachweist, dass du sie abgeschickt hast (§ 357 Abs. 4 BGB). Bei meiner 16-Tage-Retoure war das Foto vom Einlieferungsbeleg mein einziger Nachweis. Fotografier den Beleg oder den QR-Code-Ausdruck direkt am Paketshop und lösch das Foto erst, wenn die Gutschrift auf dem Konto ist.
Der Rekord ist echt, und ich bin ein kleiner Teil davon. Mein Fazit: Kostenlose Retouren sind fair für Fehler, nicht für Unentschlossenheit. Seit diesem Monat halte ich mich an sechs Regeln:
Gespart wird trotzdem, nur an der richtigen Stelle. Vor dem Bezahlen schaue ich in der Kategorie Kleidung bei rabattdigga.de nach Codes. Ein Rabatt auf ein Teil, das passt, bringt mir mehr als ein Gratis-Rückversand für eines, das nicht passt. Mein Ziel für die nächsten zwölf Monate: die größenbedingten Retouren halbieren, von 8 auf 4. Ob das klappt, zähle ich im nächsten Herbst wieder nach.

Die ersten drei Regeln zielen auf die Größe, also auf 8 meiner 11 Retouren.
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg schätzt für 2026 rund 560 Millionen Retourenpakete, so viele wie nie. Nahezu jedes vierte Paket im Onlinehandel, genau 24,2 %, geht zurück.
Nur wenn der Händler dich vorher darüber informiert hat, so steht es in § 357 Abs. 5 BGB. Viele Shops übernehmen die Kosten freiwillig, das ist aber keine Pflicht.
Das gesetzliche Widerrufsrecht beträgt 14 Tage und beginnt bei Waren grundsätzlich mit dem Erhalt. Manche Shops geben freiwillig mehr Zeit, maßgeblich sind dann ihre Bedingungen.
Nur ein kleiner Teil: Laut Universität Bamberg wurden 2021 93,2 % der Retourenartikel als neuwertig verkauft und 1,3 % entsorgt. Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Kleidung und Schuhe, auch aus Retouren, nicht mehr vernichten.




